Gänseteenies Tag 31/ Projektbeschreibung

Gloria und Calimero haben gestern Gurtzeuge bekommen. Insgesamt tragen nun Maddin, Gloria und Calimero Gurtzeuge und Sie vertragen es erstaunlich gut. Wir werden heute die restlichen Gänsekinder damit ausstatten und somit haben Sie genug Zeit, sich an das Tragen dieser Rucksäckchen zu gewöhnen, bis wir mit dem Fliegen anfangen.

Hier ein paar Bilder zum Entstehungsprozess eines solchen Gurtzeugs:

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Dann werden die Teflonbänder mit Metallklammern angebracht:

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Hier sieht man dem Verlauf der Bänder am Tier:

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Und hier der horizontale Sitz auf dem Rücken zwischen den Schwingen:

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Diese Methode ist schon zig- fach erprobt und hat sich sehr gut bewährt. In unserem Fall ist das besonders unkritisch, da die Gänsekinder unter meiner stetigen Beobachtung sind und falls es irgendwelche Unverträglichkeiten geben sollte, kann ich den Rucksack sofort entfernen.

Ausserdem haben wir hier am Max Planck Institut natürlich auch unsere eigene Haustierärztin, die mich tatkräftig in allen Belangen rund um das Wohl der kleinen Racker unterstützt. Gestern habe ich z.B. Kotproben gesammelt und ins Labor geschickt, um die Gänsekinder auf Würmer zu untersuchen. So muss man die Kids nicht im Federnschieben  mit einer prophylaktischen Wurmkur belasten, obwohl vielleicht gar kein Befall da ist.

Wenn man es sich recht überlegt, könnten die Farbringe am Fuss der Kids auch locker als „All Inclusive“ Bändel durchgehen… Ich denke Ihre Entwicklung und Ihr Verhalten sprechen für sich 🙂 .

Gestern kam der Transportkäfig und ich werde heute mal ausprobieren wie die Kids auf dieses Vehikel reagieren.

Auf Anregung von Steffi, möchte ich das schlechte Wetter nutzen, um Euch genauer zu erklären, was für ein wissenschaftliches Projekt hinter dem Ganzen steckt:

Letztes Jahr haben wir uns hier am MPI mit der Entwicklung hochauflösender Datenlogger beschäftigt. Diese kleinen, sehr leistungsfähigen Geräte können GPS Position, Beschleunigung, Magnetkompass, steigen und sinken, Temperatur, Lichtstärke, GPS Geschwindigkeit über Grund und was ganz neu ist, über ein Pitot Rohr https://de.wikipedia.org/wiki/Pitotrohr, die Geschwindigeit gegenüber der umgebenden Luftmasse aufzeichnen. Diese Parameter zu messen ist im Grunde nichts wirklich Neues und wird in eigentlich allen Flugzeugen dauernd gemacht.

Das Spannende bei uns ist, dass diese Logger diese Daten mit einer noch nie dagewesenen Datenrate und Auflösung ( GPS Genauigkeit liegt bei ca. 10cm ) aufzeichnen können und das Ganze auch noch auf dem Rücken eines fliegenden Vogels!

Da bei allen Datenloggern, die zur Verfügung stehende Energie ein Problem darstellt und diese Logger sehr energiehungrig sind, weil sie eben so viele Daten aufzeichnen und speichern, hält der beste Akku nur ca. 2 Stunden.

Die logische Konsequenz war ein System zu entwickeln, in dem man diese Geräte sehr einfach auf einem Vogel fliegen kann und da haben sich geprägte Graugänse geradezu aufgedrängt, weil man hier natürlich die Logger einfach auf das Tier und vor allem auch wieder schnell und einfach, zum Auslesen der Daten, abnehmen kann.

Mit diesen Daten lassen sich eine Vielzahl von Dingen anstellen. Zum Beispiel ist es möglich, durch diese Logger den überregionalen Wind, in den Luftschichten in denen die Tiere fliegen, zu bestimmen. Daraus lassen sich besonders kleinräumige Wetterprognosen erstellen, was z.B. für den deutschen Wetterdienst sehr von Interesse ist, da in diesen Höhen einfach nur sehr spärliche Wetter bzw. Winddaten produziert werden.

Als grosse Überschrift kann man sagen,  wir versuchen von den jahrtausende alten Erfahrungen und vom Verhalten der Tiere zu lernen und sie wie Biosensoren einzusetzen.

Falls Ihr Lust und Zeit habt, schaut doch am Samstag in den Terra X Film:

http://www.zdf.de/terra-x/der-sechte-sinn-der-tiere-lebewesen-als-fruehwarmsystem-fuer-naturkatastrophen-38782184.html

Mein Chef und Direktor hier am MPI für Ornithologie, Martin Wikelski ( an dieser Stelle meinen grossen Dank an Dich, dass Du das hier alles überhaupt durch Deine Unterstützung möglich machst ) spielt eine der Hauptrollen. Ich bin schon sehr gespannt!!!

So und nun werde ich den Transportkäfig abholen….

Lasst es Euch gutgehen und schaut ab und zu vom Bildschirm im Büro raus ins Grüne!

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Ein Gedanke zu “Gänseteenies Tag 31/ Projektbeschreibung

  1. Eine total interessante Arbeit die Du da machst und natürlich auch Dein Chef.
    Ich glaube von den Tieren könnten wir Menschen jede Menge lernen, wenn wir es nur wollten. Meiner Meinung nach fühlt sich der Mensch oft als der Überlegene und macht dabei leider sehr, sehr viel kaputt.

    Ich erinnere mich, vor ca. 25 Jahren einmal ein leichtes Erdbeben in Tunesien erlebt zu haben.
    Unsere damaligen Hunde und Katzen, hatten sich tagsüber total anders als sonst und unruhig, verrückt, wie ich es benannt hatte, verhalten. Am Abend dann das Erdbeben und hinterher war mir dann auch klar, die Tiere hatten das bereits Stunden vorher gespürt.

    Weiterhin viel Spaß in Deinen momentanen Leben im Hier und Jetzt mit den knuddeligen Gänseteenies.
    Es wird jetzt wohl nicht mehr allzu lange dauern bis sie fliegen und ihren Dienst für die Wissenschaft erledigen können.

    Schöne Grüße
    Paula

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