Fluggänse Tag 74

Heute ist ein grandioser, grossartiger, megaschöner Tag! Eigentlich… Leider muss man sowas manchmal mit einem nicht ganz so schönen Erlebnis bezahlen, bzw. kommt es mir so vor, als würden sich manche Energien ausgleichen. Ich stelle mir das in etwa so vor, als wie wenn man 2 Autobatterien unterschiedlicher Spannung parallelschaltet. Es wird solange ein Strom fliessen, bis beiden Batterien exakt das gleiche Potenial haben. Ich finde man kann das durchaus aufs tägliche Leben übertragen. Habt Ihr Euch nicht auch schon mal gewundert, warum Ihr Euch seltsamerweise irgendwie ausgelaugt und plötzlich energieleerer gefühlt habt, nachdem Ihr ne halbe Stunde am Samstagmorgen in einem Kaufhaus voller Menschen wart?

Aber nun zu den eigentlichen Ereignissen des heutigen Tages:

Wir sind heute das erste Mal zusammen in Formation auf gleicher Höhe geflogen. Die Gänsekinder sind auf der Bugwelle des Atos gesurft, als wenn Sie noch nie etwas anderes gemacht hätten. Calimero war einmal so nah bei mir, dass ich Ihn hätte mit der Hand berühren können… Mir fehlen die Worte auszudrücken, welch unglaublich wunderbares und intensives Gefühl das war, mit meinen Gänsekindern auf Augenhöhe durch die Luft zu gleiten. Wir konnten uns beim Fliegen in die Augen schauen und ich meine eine tiefe Zufriedenheit und Glückseeligkeit erkannt zu haben. Die Gänsekinder lieben es sich in der Luft zu bewegen. Ihre kraftvollen und effizienten Flügelschläge, gepaart mit Ihrem äusserst aerodynamischen Körperprofil,  ergeben eine perfekte Symphonie aus Federn, Muskelkraft und Luftmolekülen. Da wir dabei von dem Fotograf einer Zeitschrift vom Boden aus fotogefiert wurden, kann ich Euch, sobald er mir ein Bild heute Abend schickt, daran teilhaben lassen!

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Kurz vor der Landung brachen meine gefiederten Liebsten nach rechts aus der Formation aus und setzten vor mir zur Landung an. Da Sie viel wendiger als ich sind, waren Sie vor mir am Boden und standen mitten auf der Landebahn als ich in den Endanflug überging. Ich war der festen Überzeugung Sie würden noch beiseite gehen, falls ich zu kurz käme und behielt meine Landeeinteilung bei. Da ich im letzten Moment noch einen kleinen Durchsacker hatte, kam ich früher als geplant auf der Landebahn auf und streifte Maddin mit dem linken Hinterrad.

Das Geräusch war grässlich! Es klang wie wenn man mit der Faust in ein Daunenkissen haut! Ich schaute mich um und sah Federn fliegen und war mir in dem Moment recht sicher, dass er das nicht überlebt hatte. Als ich aber dann zu ihm hinrannte, stand er auf und humpelte einige Schritte durch das Gras. Ich untersuchte Ihn an Ort und Stelle auf offensichtliche Verletzungen und Brüche, konnte aber glücklicherweise nichts feststellen. Da ich aber keinerlei Risiko eingehen wollte, sind wir sofort mit Ihm zur Tierärztin und haben Ihn nochmals gründlich druchchecken lassen! Alle Gelenke und Knochen sind ok. Alles war symmetrisch, einzig der rechte Oberschenkel war schmerzempfindlich. Er bekommt nun 1 mal am Tag ein entzündungshemmendes Schmerzmittel ( Meloxicam ) und muss sich schonen. Der arme Kerl!

Ich hatte immer Angst und bin mir durchaus bewusst, dass sowas passieren kann, aber es war trotzdem sehr aufwühlend und ich fühlte mich schuldig.

Aber trotz der Aufregung und Sorge um Maddin ist der 31.07.2015 „DER“ Tag, auf den wir 4 Monate hingearbeitet haben. Wir sind wirklich und richtig als Familie im Verbund geflogen und die Gänse haben regelrecht mit mir in der Luft gespielt!

Fluggänse Tag 71

Gestern war ich den Tag über bei Toni um dieses Sonic Anemometer vernünftig am Atos zu befestigen. Ich hatte ehrlich gesagt wenig Hoffung, aber Toni wäre nicht Toni, wenn er auch nicht hierfür eine passende Lösung parat hätte. Ich stelle immer wieder fest, wie wichtig es für ein derartiges Projekt doch ist, dass es Menschen gibt, die einem mit Herzblut und Enthusiasmus unterstützen. Toni ist so ein Mensch und ich möchte an dieser Stelle nochmal Danke sagen. Ohne Ihn wäre das ganze Projekt so nicht möglich gewesen. Schaut mal auf seiner HP vorbei:

http://toniroth.com/

Mir ist gestern ein blödes Versäumnis passiert. Ich habe vergessen, die Gänsehalbwüchsigen über Nacht in die Voliere einzusperren, d.h. Sie vom Aussengehege, was nicht fuchssicher ist, nach Innen in die Voliere zu sperren. Ich komme also heute morgen hin und Gloria fehlt! Nur noch 6 Gänsekinder da….

Ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein seltsames Gefühl war. Zuerst habe ich geschaut, ob ich irgendwo Kampfspuren bzw. Federn finde. Da war nix und so war ich ziemlich sicher, dass Herr Reineke Fuchs nicht an dieser Tragödie schuld war, sondern ich Dösbattel, in Verbindung mit einer ziemlich schlauen Gans.

Keine verfluchte Ahnung wie Gloria es geschafft hat, aus dem Aussengehege auszubüchsen.

Jedenfalls war ich hin und hergerissen zwischen Schuldgefühlen und ( es mag sich jetzt total bescheuert anhören ) spitzbübischer Zufriedenheit, weil ich jeder meiner Gänse ein Leben in Freiheit gönnen würde und wenn Sie es von allein geschafft hätte, dann wäre es auch auf eine Art völlig okay für mich dass Sie jetzt frei ist.

Ich habe mich also auf die Suche gemacht und alle bekannten Plätze in der Umgebung abgeklappert. Nichts! Also beschloss ich, den Radius etwas zu erweitern und bin laut hupend und rufend zum Mindelsee an die Badestelle gelaufen. Der Weg kam mir irgendwie richtig weit vor und es war keine Gloria weit und breit zu sehen….

Seltsamerweise hatte ich kein schlechtes Gefühl, keine Hoffnungslosigkeit, keine Traurigkeit. Eher das Gegenteil. Irgendwie hatte ich ein Gefühl des Vertrauens, dass es Gloria gut geht und alles in Ordung ist.

Ich war nicht mehr weit von der Badestelle entfernt, als mein Hupen plötzlich durch lautes Schnattern beantwortet wurde. Ich natürlich im Schweinsgalopp zum Steg und wer kommt gerade angeflogen und landet im Wasser direkt vor dem Ufer? Gloria…

Da wir uns ja nicht in die Arme fallen konnten, haben wir uns gänsetypisch mit Schnattern und Kopfnicken begrüsst und ich hatte das Gefühl, dass Sie richtig glücklich war, mich wiederzusehen. Es war jedenfalls kein Problem sie auf den Arm zu nehmen und sie 3km zum Auto zu tragen….

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Das war mein Magic Moment für heute. Sie hätte nicht zu mir kommen und sie hätte sich schon gar nicht einfangen lassen müssen… Sie tat es völlig FREIWILLIG!!!

Fluggänse Tag 70

Sonntagabend… Endlich Zeit zu schreiben. Ich hatte meine Menschenkinder übers WE und da Sie mich in letzter Zeit doch sehr mit den Gänsen teilen mussten, hab ich mir mal wieder richtig Zeit für die Beiden genommen. Das hat mir richtig gutgetan und ich habe gemerkt, wie sehr ich auch die Zeit mit den Zwei vermisst habe.

Da die Gänse nun schon sehr selbstständig sind, können Sie in Ihrer Villa auch mal alleine sein. Ausserdem sind es jetzt 10 Wochen ohne Wochenende und ich habe mir einfach mal bissel Freizeit erlaubt.

Heute morgen waren wir auf dem Flugplatz trainieren. Es kristallisiert sich heraus, dass nicht das „mir im UL Folgen“ zum Problem wird, sondern den Tieren beizubringen, dass man höher fliegen muss, wenn man wirklich Strecken zurücklegen will. Um Bäume drumrum dem Paps hinterherfliegen, ist nicht Sinn der Sache, auch wenn man im Bodeneffekt Energie sparen kann.

Fazit: Geduld und einfach trainieren, trainieren, trainieren….

Heute Nachmittag wollten wir dann mit den Gänsen noch zum Bach. Kaum war die Volierentür auf, hat Frieder 2 mal geschnattern und weg war er und Gloria hinterher… Gloria ist dann auf der nächstgelegenen Wiese gelandet und ich konnte Sie problemlos wieder zurückführen, aber Frieder blieb verschollen. Nun ging also die grosse Suchaktion los…

Da der Schlossteich eine magische Anziehungskraft auf die Tiere ausübt, haben wir uns gedacht, machen wir doch mal einen Spaziergang… Und tatsächlich! Die Kinder haben Frieder in einem Gebüsch entdeckt und als er meine Stimme hörte, kam er angeflogen! Er ist mir dann brav zurück zur Voliere gefolgt und war ganz glücklich wieder in seinem gewohnten Umfeld zu sein.

Ich muss sagen, dass mich das ziemlich berührt hat und ich beschlossen habe, Frieder bei nächsten Training ganz normal mit den Anderen mitfliegen zu lassen. Er ist halt einfach etwas neurotisch und speziell, aber im Grunde ein sehr ängstlicher und unsicherer Typ. Aber er ist wahrscheinlich der beste Flieger im Team und schafft es locker ausm Stand zu starten. Da könnte sich unser B52 Bomber Nemo mal was abschauen 🙂 !

Zurück an den Volieren haben die Kids die Schuhbändel von Ami`s neuen Chucks entdeckt. Sie lieben Converse….

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Fluggänse Tag 68

Nachdem wir gestern wetterbedingt komplett gegrounded waren und die Zeit für Einstellarbeiten am Atos genutzt haben, wurden wir heute morgen von schönstem Flugwetter verwöhnt.
Gloria ist heute ganz nahe bei mir geflogen und auch auf eine ordentliche Höhe gestiegen. Es ist unglaublich welche rasanten Fortschritte die Gänse machen… Ich denke wir sind auf einem guten Weg und bald werden wir mal alle zusammen richtig die Welt von weiter oben betrachten…

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Nach der Landung wurde wieder ausgiebig am Atos geknabbert. Irgendwie kommt es mir so vor, als hätten die Kids Ihn ins Herz geschlossen…

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Ausserdem kam heute unser brandneues Sonic Anemometer an. Damit können wir hochpräzise Wind und Turbulenz in 3 D messen. Ich war etwas erstaunt ab der Grösse des Geräts und bin gespannt wie wir ihn am Atos unterbringen bzw. befestigen.
http://www.thiesclima.com/ultrasonic_anemometer_3d.html

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Ich bin schon sehr auf erste Messdaten gespannt!!!
Wir wünschen Euch ein schönes Wochenende….
Wiwiwi

Fluggänse Tag 66

Wie sang doch einst Udo Jürgens so schön: Mit 66 jahren da fängt das Leben an, mit 66 Jahre da hat man Spass daran… Ihr kennt den Text eh… Als ich gerade den Titel des heutigen Blog getippt habe, ist mir dieser Song in den Sinn gekommen.

Irgendwie könnte ich aus den 66 Jahren einfach 66 Tage machen und es hätte eine gewisse Wahrheit. Unser Weg ist nun 66 Tage lang, bis jetzt gab es alle möglichen Abstufungen von Emotionen und Eindrücken. Es gab viele sehr glückliche und bewegende Momente. Manchmal waren sie ganz still und man musste seine Sinne ganz öffnen um sie zu erfassen, oftmals waren Sie laut und heftig. Und es waren selbstverständlich auch viele Ängste und Selbstzweifel dabei, wobei ich sagen muss, dass diese eher unangenehmen Emotionen diejenigen waren, die mich vorangebracht und mich immer wieder dazu genötigt haben, zu reflektieren.

Aber nun, nach 66 Tagen, analog zu Udo Jürgens, fängt ganz klar der Spass an ( abgesehen von seit 9,5 Wochen keine Wochenenden mehr und geringfügigem Schlafdefizit ). Nun wird geerntet in Form von gemeinsamen Flügen! Wir nähern uns in riesen Schritten unserem Ziel: Überlandfliegen mit den Gänsen, weg aus der Umgebung des Flugplatzes, hinein ins Unbekannte… Ich bin jetzt schon auf wundersame Weise ziemlich weit gekommen und zwischendurch habe ich nicht mehr dran geglaubt, dass die Gänse mir jemals folgen werden, aber dass sich die Tiere mir so anvertrauen, dass Sie mir in ganz ungewohntes Gelände folgen, wäre die Krönung unseres gemeinsamen Weges…

Den Anfang dazu haben wir heute geschafft! Ich habe die erste kleine Platzrunde mit meinen Süssen gedreht. Sie fliegen zwar immernoch in Bodennähe und steigen nur auf, wenn Sie Hindernisse überwinden müssen, aber Sie fliegen mir ganz klar hinterher, auch wenn Sie den Hangar und die Fangvoliere aus dem Blick verlieren und sich nicht mehr gut auskennen.

Wunderbar!

Im gemeinsamen Landeanflug:

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Nach der Landung ist immer ausgiebiges Belohnen und gemeinsames Geschnatter angesagt:

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Und selbstverständlich helfen die Kids mit, den Atos zu checken ( zwar nur alles was nach Schuhbändel aussieht, aber immerhin 🙂  )

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Maddin kontrolliert den Propellerschutz, Gloria testet die Airbrakes, Calimero checkt die Reifen und Nils denkt sich: “ Warum flieg ich eigentlich selber, wenn der Sack einen Doppelsitzer hat???“

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Wir wünschen Euch eine gute Nacht und geniesst die Abkühlung ( Bei uns hats gerade kurz geregnet und die Temperatur ist von 32 auf 24 Grad gefallen…. )

Fluggänse Tag 65

Die Tatsache, dass meine Lieben nun wirklich gut fliegen und z.B. Frieder locker ausm Stand nach oben wegstarten kann, stellt mich doch vor ein kleines logistisches Problem. Ich brauchen einen umzäunten Auslauf für die Kids, damit ich Sie nicht tagsüber in die Voliere sperren muss… Zum Glück haben wir hier am Institut Männer die sowas anpacken können und sofort zur Stelle sind: Heiko, Egbert, Peter und Costa. An dieser Stelle tausend Dank für Euren Einsatz 🙂

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Die Herrschaften lassen bauen, während man den einen oder anderen Schnabel voll Kraftfutter einnimmt und sein Mittagsschläfchen hält…

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Geschafft! Nun hat mein schlechtes Gewissen ein Ende….

Beim Training heute morgen gab es eine Überraschung, die mich wirklich sehr gefreut hat: Nemo ist das erste Mal richtig mitgeflogen und hat nun auch den Sprung in die 3. Dimension geschafft! Da er der Verfressenste und damit Grösste und vor allem Schwerste ist, hatte er die letzte Zeit doch etwas Probleme, sein Gewicht in die Luft zu bekommen.

Sein erster Flug heute morgen war wieder ziemlich bescheiden und er kam nur ein paar Meter weit. Beim Zweiten jedoch, wollte er es wissen und hat scheinbar mal seine zugegebenermassen etwas dicken Federpobacken zusammen gekniffen und den Nachbrenner gezündet…. Mit dem Ergebnis, dass er schön mit den anderen mitgeflogen ist. Ich meine mir eingebildet zu haben, dass Ihn diese Tatsache äusserst glücklich gemacht hat. Nach der Landung hat er wie wild die Anderen angeschnattert als wie wenn er sagen wollte: “ Freunde, ab jetzt könnt Ihr Euch mal sowas von warm anziehen!“

Gänsetraining_Blog_21072015

Wir zählen nun also 6 Gänse in der Luft!

Strike!!!!

Fluggänse Tag 64

Nachdem ich Frieder nun 3 Mal Privatflugstunden gegeben habe und er wirklich gut fliegen kann, mir aber leider nicht folgen mag, bin ich schwer am Überlegen was das Beste für ihn ist. Ihn jeden Tag mitnehmen und in der Fangvoliere aufm Flugplatz einsperren, oder Ihn versuchen jetzt schon in eine Wildganspopulation in der Umgebung zu integrieren. Ich lass es noch 2-3 Tage auf mich wirken…

Heute sind wir zum ersten Mal in Formation geflogen. Unfassbar! Es klappt alles wie am Schnürchen.

Erste Formation 20072015

Die neue Sony ActionCam ist wirklich klasse. Sie zeichnet automatisch GPS Daten auf. Vor allem die Uhrzeit ist sehr wichtig, um später die Beschleunigungsdaten mit der GPS Zeit synchronisieren zu können….

Woher wissen die Gänse, dass Sie Formation fliegen können um Energie zu sparen? Ich habs Ihnen nicht gezeigt. Faszinierend….