Gedanken am Tag 63

Die letzten Tage waren ziemlich anstrengend. Weniger körperlich, als vielmehr mental… Die Tatsache, dass die Gänse mir nun stabil in meinem Ultarleichtflugzeug folgen, bedeutet gleichzeitig einen Endpunkt und einen Neuanfang. Einen Endpunkt deswegen, weil Ihre Zeit des „an die Erde angebunden sein“ nun endgültig vorbei ist und ich immer damit rechnen muss, sie zu verlieren. Einen Neuanfang, weil unsere Beziehung durch das gemeinsame Fliegen eine weitere tiefe Verbundenheit erfährt.

Maddin und Calimero sind gestern einfach aus dem Auslauf der Voliere gestartet und weggeflogen. Nach 1 Stunde erfolgloser Suche hat Sie dann unser Wachmann am Schlossteich auf der Wiese entdeckt und ich konnte Sie problemlos nach Hause führen. Dabei konnte ich zum ersten Mal im Ansatz spüren, wie es wohl werden wird, wenn ich die Gänsekinder ziehen lassen muss… Im Moment liegt dieser Zeitpunkt zwar noch etwas in der Ferne, aber ich merke doch, wie sich mein Kopf immer öfter mit der unausweichlichen Trennung von den Gänsekindern beschäftigt.

Loszulassen ist leider eine der schwierigeren Aufgaben mit denen man im Leben konfrontiert wird. Loslassen wird erst dann einfacher, wenn man in sich selbst zuhause ist und verstanden hat, dass das Leben als dynamischer Prozess im wesentlichen Loslassen bedeutet, weil nichts Bestand hat. Alles ist einem konstanten Wandel unterworfen. Alles kommt und geht. Wir meinen und wünschen uns zwar immer alles festhalten zu können, aber müssen doch dauernd feststellen, dass das schlicht unmöglich ist. Vielen macht diese Dynamik Angst und man versucht sich Kraft seiner Gedanken und Kraft seines Versicherungsmaklers eine Wirklichkeit zu erschaffen, in der alles im Voraus geplant ist und somit kalkulierbar und sicher erscheint.

Das kann funktionieren und man kann sich mit Geld eine vermeintliche Sicherheit im Leben durchaus kaufen.

Wäre es aber nicht viel wunderbarer, einmal wieder dieses kindliche Gefühl des Geborgenseins und des Urvertrauens ins Leben spüren zu können? Nicht nur zu denken und im Kopf zu wissen, dass alles gut ist, sondern  sich völlig dem Moment hinzugeben und dieses Vertrauen ins Sein zu fühlen… Ich nenne das magischen Momente. Kennt Ihr dieses Gefühl wenn Ihr plötzlich das Gefühl von Ankommen und Frieden im Kopf habt? Selbstverständlich ist es sofort wieder weg, wenn man sich darüber Gedanken macht und versucht das irgendwie einzuordnen. Ganz so, wie wenn man das erste Mal in ein „magisches Auge“ Buch schaut. Sobald es am Anfang dreidimensional wird, verkrampft man sich und es ist sofort wieder weg. Erst wenn man es schafft, loszulassen und praktisch durch das Buch hindurch schaut, wird das 3D Bild stabil betrachtbar….

Gemeinsames fliegen mit den Gänsen ist so ein magischer Moment. Sie mühelos dahingleiten zu sehen, zu merken wie sehr sie das Fliegen und die damit verbundene Freiheit geniessen, in Ihren dunklen Augen zu schauen und diese unbändige Lebenslust zu spüren, erfüllt mich mit Demut und einem Gefühl von tiefer Zufriedenheit. Nach der Landung aus dem Sitz meines highend Ultraleichtbehelfsflügels zu springen, um gemeinsam mit den Gänsekindern auf allen Vieren im Gras umherzukrabbeln und laut dabei zu schnattern…. Leider kann ich Euch nur ansatzweise vermitteln, was das für ein wunderbares Gefühl ist…

Ich wünsche Euch eine gute Nacht und ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht zwingend Gänse braucht, um so etwas Berührendes erfahren zu können. Vielmehr sollten wir versuchen, unseren Blick für die Schönheit des Seins zu öffnen und daran arbeiten, schlicht weniger zu denken, weil Gedanken wie eine Lupe wirken und unangenehme Dinge, zu riesigen unangenehmen Dingen aufblasen können….

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3 Gedanken zu “Gedanken am Tag 63

  1. Uff, ich verfolge schon von Anfang deine Geschichten mit den Gänsen. Ich selbst bin ein großer Freund der gepflügten lebe Wesen! Essen schon seit langem keine „Vögel“ mehr und auch keine Eier mehr! Kann verstehen was in dir vorgeht. Ein Abschied ein Ende! Die „kleinen“ sind groß und folgen dir aus einem Instinkt heraus, wissen, kennen aber trotzdem „ihr/Leben/ihr-Sein“. Wünsche dir weiter viel Erfolg und möchte nicht tauschen. -:))) -:((

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