Fluggänse Tag 106

Vergangenen Freitag hatten wir einen weiteren Terra X Drehtag. Der Plan war, mit einem identischen 2. UL, welches Messungen macht, neben mir herzufliegen und das Ganze aus dem Helikopter zu filmen.

Leider war das 2. UL, dadurch dass es mit 2 Leuten beladen war, nicht in der Lage so langsam wie ich und die Gänse zu fliegen und musste immer wieder eine Kurve bzw. einen Kreis um uns herum machen, um nicht zu schnell und damit ausserhalb des Bildes zu sein. Meine erste Annahme war, dass die Gänse deshalb etwas irritiert waren. Jedenfalls fiel die Gruppe nach einem schönen Start und 3 min gemeinsamen Fluges völlig auseinander. Nemo und Calimero brachen als Erste aus der Formation aus und flogen allein zum Flugplatz zurück. Als nächste dann Paula und Maddin. Gloria und Nils waren direkt über dem UL in der Surfzone um Kraft zu sparen. Als Gloria sah, dass Paula und Maddin ausbrechen, ist sie hinterher. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie helfen wollte, weil den Gänsen klar ist, dass Einzelne kraftmässig keine Chance haben, den Weg zurück zum Flugplatz zu schaffen. Nils blieb tapfer oben im günstigen Aufwindbereich des ULs und ich flog mit Ihm allein zum Flugplatz zurück, wo Nemo und Calimero bereits auf uns warteten.

Auf dem Weg zurück, sah ich wie Gloria mitten auf einer stark befahrenen Bundesstrasse notgelandet ist und sich binnen kürzester Zeit ein grosser Stau gebildet hat. Nachdem ich Nils abgeladen hatte, flog ich zurück zur Bundesstrasse und kreiste in niedriger Höhe um den Leuten, welche versuchten Gloria einzufangen, aus der Luft zuzurufen, was zu tun ist. Schliesslich schafften es 2 Mitarbeiter des Strassenbauamts, Gloria einzufangen und mitzunehmen. Sie brachten Sie auf eine angrenzende grosse Wiese, um Sie dort in sicherer Umgebung freizulassen. Ich habe dann kurzerhand den Entschluss gefasst, dort einzulanden und die beiden Männer zu bitten, Gloria zum Flugplatz zu fahren. Sie waren sehr nett und hilfbereit und Gloria bekam eine Taxifahrt zum Flugplatz.

Nach der Landung war nicht klar, wo Paula und Maddin abgeblieben sind, ich vermutete aber, dass Sie inmitten eines riesigen Maisfeldes eingeschlagen waren. Die Leute der Filmgesellschaft boten an, aus dem Hubschrauber zu suchen, weil aus der Luft natürlich der Empfang des Peilsenders wesentlich besser ist. Zum Glück war mein Chef und Direktor des MPI Martin Wikelski vor Ort. Er ist eine absoluter Spezialist in Radiotelemetrie und er übernahm die Ortung aus dem Helikopter. Nach kurzer Zeit konnte er die Signale der beiden Gänsekinder im Maisfeld ausmachen und dann begann die Suchaktion. Es ist erstaunlich, wie orientierungslos man in so einem grossen Feld ist und wenn nicht eindeutige Traktorspuren sichtbar gewesen wären, hätte es ein noch viel grösseres Abenteuer geben können, bis wir wieder aus dem Feld rausgefunden hätten. Nach kurzer Suche konnten wir die 2 dann aufgabeln und zum Flugplatz zurückbringen.

Was für eine Aufregung!!!!

Ich habe mir viel Gedanken gemacht, warum die ganze Aktion so schief gegangen ist und habe zuerst die Schuld auf das 2.UL geschoben. Als ich dann aber das WE über bei den Gänsen war, konnte ich feststellen, dass Sie wohl eine kleine Mauser durchmachen, was den plötzlichen Einbruch an Leistung und den riesen Hunger der Tiere die vergangenen Tage erklären würde.

Der Freitag war also einfach ein blöder Zeitpunkt für Filmaufnahmen. Leider konnte niemand wissen, dass die Tiere genau dann mausern und die paar Federn, die letzte Woche immer mal wieder in der Voliere herumlagen, sind mir zwar aufgefallen, aber ich habe das nicht mit einer Mauser in Verbindung gebracht.

Anhand des GPS Tracks konnte wir übrigens genau erkennen, dass Gloria 2 mal über der Stelle wo Paula im Maisfeld eingebombt ist, gekreist ist, bevor Sie Richtung Flugplatz weiterflog und Ihr dann die Puste ausging. Es ist wunderbar, wie sozial die Gänse miteinander sind und wie Sie sich gegenseitig unterstützen. Gemeinsam geht eben Vieles einfacher. Davon könnten wir eine Menge lernen.

Diese Woche lasse ich die Gänse mit fliegen jedenfalls erstmal in Ruhe…

2015-08-31 12.48.29

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5 Gedanken zu “Fluggänse Tag 106

  1. Danke für den Update – bin ganz erleichtert, dass ihr noch alle lebt😨 Es ist aber auch toll, dass die Leute auf der Bundesstraße so geistesgegenwärtig reagiert haben und nicht einfach stumpf weitergebrettert sind.

    Wünsche euch von Herzen gute Erholung und Erfolg dabei, die verhedderten Nervenenden wieder aufzuwickeln! Liebe Grüße Eure Steffi

    PS Kann mir aber vorstellen, dass die Kleinen das Fliegen dann irgendwann vermissen – die vergessen schneller als du😉

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  2. …gut das nichts schlimmers passiert ist!!!
    ich wußte nicht das die jetzt schon wieder neue federn kriegen, ist das normal? welche federn werden neu? weiter alles gute! carl

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  3. Oh, da bin ich aber froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Obwohl deine Schilderung eurer Erlebnise schon aufregend genug klingt. Erholt euch gut.
    Viele Grüße
    Christina

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  4. Puuuuhh, Aufregungen hoch 10 !!
    Zum Glück hat, dank Ihres Kominations- und Organisationstalentes, das Ganz ein gute Ende gefunden.
    Und jedenfalls ergibt dieser Tag wieder eine lange Geschichte fürs Buch !
    Eine Frage: wie viel fliegen Graugänse im Normalfall pro Tag?

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