Fluggänse Tag 135

Der Nord Ost Wind geht mir auf die Nerven! Schönstes Wetter draussen und die Gänse scharren mit den Flossen und wollen fliegen, aber es ist leider unmöglich. Gestern morgen war ich kurz in der Luft um die Bedingungen zu testen, bevor ich mit den Gänsekinder gestartet wäre. Hätte ich dazu einen Schluck Persil in den Mund genommen, wäre es der perfekte Vollwaschgang gewesen! Nicht schön und nicht zur Nachahmung empfohlen…. Wenigstens weiss ich jetzt, dass ich den Atos auch bei sehr rauhen Bedingungen gut im Griff habe und landen kann. Learning by doing!

Tja und nun steh ich da. 4 Wochen Mauser sind so gut wie um, die Tiere möchten eigentlich, aber der Wind bzw. das Wetter grounded uns… Das heisst weiterhin Nerven behalten und nicht aufgeben. Ich würde zu gerne noch die Messungen mit den neuen Loggern abschliessen….

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Fluggänse Tag 134

Hallo Ihr Lieben,

je kürzer die Tage wurden umso kürzer wurden die Posts und umso länger die Intervalle…. Das lag in erster Line daran, dass die Gänsekinder sehr mit mausern beschäftigt waren und einfach nicht Spannendes passiert ist, was ich Euch hätte erzählen können.

Obwohl es ein Ereignis gab, dass ich Euch nicht vorenthalten mag:

Letzten Samstag waren wir wiedermal zusammen bei schönstem Spätsommerwetter auf dem Maisfeld, die Kids haben die Umgebung erkunden und sich gierig am Mais sattgefressen und ich lag auf der Isomatte in der Sonne. Nach ca. 1 Stunde zog ein Gewitter auf und ich beschloss, so schnell wie möglich zurück zu den Volieren zu laufen, weil ich nicht wusste, wie die Tiere auf den Blitz und Donner reagieren. Ich also aufgestanden, die Isomatte zusammengerollt und seh plötzlich wie Nemo durchstartet und die anderen Ihm hinterher. Ich hab natürlich gehupt und gerufen wie ein Wahnsinniger, aber die Herrschaften hatte wohl keine Lust den Fussmarsch zu den Volieren anzutreten sondern dachten sich: schlecht geflogen ist besser als gut gelaufen!

Jedenfalls waren alle weg bis auf Calimero. Der blieb in meiner Nähe. Wohl weniger aus Solidarität als aus Faulheit 🙂 Inszwischen hatte es angefangen Bindfäden zu regnen und laut zu donnern. Ich also Calimero auf den Arm und im Schweinsgalopp runter Richtung Volieren. Als ich so den Berg runterkomme, sehe ich eine Gans auf dem Volierendach sitzen. Es war Maddin. Leiter an die Voliere gestellt und versucht ihn da runter zu locken.Nix zu machen! Jetzt muss man wissen, dass die Dächer nur aus dünnem Plastikwellmaterial bestehen und man darauf nur laufen kann, wenn man weiss wo sich die Träger unter dem Dach befinden. Ich also in strömendem Regen hoch aufs Dach und Ihn da runtergescheucht. Somit waren 2 von 7 wieder in der Voliere.

Nun ging der Spass aber erst richtig los… Frieder fand ich mitten in der grossen Schlosswiese und ich hatte alle Hände voll zu tun, um den kleinen Racker einzufangen! Als ich ihn dann hatte wieder zur Voliere zurückgerannt um Frieder abzuliefern… 3 von 7 …

Nun lief ich hupend und rufend durch die Gegend und hörte wie mir eine Gans auf meine Rufe antwortete. Ich bin also nach Hörpeilung gelaufen und fand Nemo im Vorgarten eines Hause. Nemo auf den Arm und wieder zurück zu den Volieren. Mittlerweile natürlich nass bis auf die Knochen und dreckig und vollgekackt von oben bis unten. 4 von 7.

Fehlten noch Paula, Nils und Gloria. Das Problem war die zunehmende Dunkelheit und ich hatte ca. noch eine Stunde bis ich die Suche hätte abbrechen müssen. Ich bin dann zur Mindelsee Badestelle. Nichts!

Also wieder zurück zu den Volieren in der Hoffnung dass Sie vielleicht von allein zurückkommen. Dort angekommen, sehe ich einen Trupp von 11 Graugänsen direkt über die Voliere fliegen. Ich natürlich gehupt und gerufen so laut ich konnte und siehe da, es löst sich eine Gans aus der Schar und landet direkt auf dem Maisacker. Es war Paula und Sie war sichtlich erfreut mich zu sehen 🙂 Nicht erfreut war sie vom lehmigen Ackerboden der wie Stollen an Ihren Flossen kleben blieb. Sah sehr lustig aus, wie sie über den Acker stolzierte…. 5 von 7.

Leider musste ich dann die Suche wegen der Dunkelheit abbrechen und bin nach Hause gefahren. Der Abend und die Nacht waren nicht sehr entspannt und ich wurde von der Vorstellung geplagt, dass Mama Fuchs gerade Rotkohl schnippelt und der Ofen schon fürs Gänsefestmahl vorgeheizt ist.

Am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe nochmal zur Badestelle am Mindelsee und siehe da, wer sitzt in aller Seelenruhe am Ufer und putzt sich genüsslich? Nils…. 6 von 7

Ich verbrachte eine lange Zeit mit Hupen und Rufen am Steg aber von Gloria war nichts zu sehen. Immer wieder zogen Trupps von vielen Graugänsen an und über mir vorbei aber keine Gloria weit und breit. Gegen Mittag brach ich die Suche ab und fuhr niedergeschlagen nach Hause. Gloria, die älteste und erfahrendste Gans mit der stärksten Bindung an mich war weg! Es war ein Wechselbad der Gefühle. Einserseits die Angst und Sorge dass sie der Wildnis nun schutzlos bzw. erfahrungslos ausgeliefert ist, andererseits aber auch Freude, dass Sie nun Ihr Leben selbstbestimmt und in Freiheit leben kann. Es war ein seltsam duales Gefühl.

Um 13.30 Uhr klingelts das Handy. Ein unserer Tierpflegerinnen rief an und sagte mir, dass soeben Gloria vor den Volieren gelandet wäre und Sie von alleine zum Futter in die Aussenvoliere gelaufen sei…

Ich hatte also alle meine Gänsekinder zurück und dafür ein paar Nervenzellen weniger….

Die Stuttgarter Kinderzeitung hat übrigens noch einen herzigen Artikel über uns verfasst…

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Fluggänse Tag 120

4 Monate sind jetzt um… Wo ist nur die Zeit geblieben? Mit den Gänsen erlebt man auf wundersame Weise alles im Zeitraffer. Ich habe das Gefühl, dass es schon so lange her ist, dass ich mit den Gänsekindern im Wohnwagen gelebt habe und Sie alle halbe Stunde unter meinen Pulli gekrochen sind. Mittlerweile sind Sie schon so gross und selbständig. Nemo wiegt mittlerweile 4,5 kg. Das ist wirklich viel!

Die Gänse verlieren immernoch Federn und sind dementsprechend unmotiviert zu fliegen. Ich hoffe, dass bald die Zugunruhe einsetzt und wir dann wieder schöne Flüge zusammen unternehmen können. Die rasante Gewichtszunahme würde schon dafür sprechen, dass die Tiere sich ein Fettdepot für den Zug anlegen. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf endlich wieder gemeinsam mit Ihnen den Himmel erobern zu dürfen.

Im Moment beschränken sich unsere gemeinsamen Unternehmungen auf Ausflüge zum abgeernteten Maisacker, zum Bach und zum Flugplatz, wo die Gänsekinder jetzt auch schon ab und zu ganz kleine Runden alleine drehen.

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Die Kuller werden jedesmal ausgiebig benagt und ich bin gespannt wie lange die Klettverschlüsse den Gänseschnäbelraspeln standhalten können.

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Auf dem Rückweg vom Maisacker. Die Gänse haben ordentlich Mais getankt und schlendern gemütlich im berühmten Gänsemarsch zurück zur Voliere hinter Paps her.

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Morgen versuche ich nochmal mit Ihnen zu fliegen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit! Ich lasse Euch dann wissen wie es gelaufen ist…

Fluggänse Tag 110

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Ich merkt bestimmt, dass es etwas ruhiger um mich geworden ist die letzte Zeit. Kennt Ihr die Szene aus Forrest Gump, als Tom Hanks anfängt zu laufen und nach einem Jahr plötzlich ganz unvermittelt, mitten im Nirgendwo, stehen bleibt, sich umschaut und dann feststellt, dass er keine Lust mehr zu laufen hat?

So ähnlich gings mir die letzten 2 Wochen. Ich war einfach durch. Das ganze Projekt und die Verantwortung haben mich mehr Kraft gekostet als ich gedacht habe. Also musste ich mal eine Pause einlgen. Ich hatte auch keine Gedanken im Kopf welche es mit wert gewesen wären, Sie zu teilen…

Spätestens nach dem Filmdreh mit der anschliessenden Rettungsaktion war meine Laune und meine Motivation so richtig im Keller. Mir wurde erst hinterher bewusst, dass ich locker die Gänse hätte verlieren können.

Jedenfalls war die kleine gedankliche Auszeit von Allem sehr heilsam. Manchmal braucht der Mensch einfach Phasen, in denen er mal innehalten kann, um wieder eine Verbindung zu sich selbst zu bekommen. Ich glaube, wenn man das ignoriert, bewegt man sich unaufhaltsam auf einen BurnOut zu. Diese ständige Erreichbarkeit via Smartphone und Internet, liegt meiner Meinung nach nicht in der Natur des Menschen. Unsere Kinder werden damit aufwachsen und sich von klein auf daran gewöhnen, aber ich empfinde das mit meinen 41 jahren doch zunehmend als unangenehm.

Wie gehts Euch damit?